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Tarifrunde Eisen- und Stahlindustrie geht Samstag in die heiße Phase – Beschäftigte machen Unmut über Arbeitgeberangebot Luft

500 Beschäftigte der Georgsmarienhütte trotzten Sturmtief Eberhard im Warnstreik

11.03.2019 | Osnabrück/Georgsmarienhütte - In der Tarifrunde der Eisen- und Stahlindustrie haben 500 Beschäftigte von der Georgsmarienhütte GmbH den Druck auf die Arbeitgeber erhöht.

Wind, Regen und Schnee konnte die Beschäftigten während der Demonstration von der Werkskantine zur Ausbildungswerkstatt nicht stoppen.

„Die große Verärgerung über das völlig unzureichende Angebot beim Entgelt und die Einschränkungen bei der Umwandlung von Urlaubsvergütung in freie Tage ist sehr deutlich zu spüren“, so Betriebsratsvorsitzender Siegfried Gervelmeyer in seiner Ansprache zu den Streikenden. „Zudem ist es inakzeptabel, dass bisher für die Auszubildenden und die Dual Studierenden noch gar nichts angeboten wurde!“

„In der auf Samstag, 16. März 2019, vertagten Verhandlung erwarten wir beim Thema Geld, bei der Umwandlung von Geld in Zeit sowie bei den Auszubildenden und Dual Studierenden jetzt große Sprünge von den Arbeitgebern. Wenn das nicht geschieht, wird eine weitere Eskalation in der Tarifrunde nicht zu verhindern sein. Denn weitere Trippelschritte seitens der Arbeitgeber würde die Beschäftigten extrem verärgern“, so Stephan Soldanski, 1.Bevollmächtigter und Mitglied der Verhandlungskommission.

In der 4. Verhandlung für die rund 72.000 Beschäftigten der nordwestdeutschen Eisen- und Stahlindustrie hatten die Arbeitgeber eine Entgelterhöhung von 2,5 Prozent zum 01.04.2019 und mit Wirkung ab 01.07.2020 eine zusätzliche jährliche Urlaubsvergütung in Höhe von 600 Euro angeboten, die von einem eingeschränkten Personenkreis in Zeit umgewandelt werden könnte.

„Das Volumen ist deutlich zu klein, die Laufzeit unter diesen Bedingungen zu lang, zu den Jugend-Forderungen gab es bisher keine Reaktion der Arbeitgeber – das Paket passt einfach nicht! Auf dieser Basis machen Verhandlungen einfach keinen Sinn!“ so Soldanski. Er erwartet, „dass es am Samstag endlich in die heiße Phase der Verhandlung geht. Die Zeit für eine friedliche Lösung am Verhandlungstisch wird aber so langsam knapp.“

Seit Dezember kennen die Arbeitgebervertreter unsere Forderung. „Beenden sie endlich das Zeitspiel am Verhandlungstisch und legen sie etwas Ordentliches zum Verhandeln auf den Tisch!“ rief Gervelmeyer der Belegschaft zu.

„Die Beschäftigten haben für diese Taktikspiele keinerlei Verständnis mehr und erwarten nun ein ordentliches Ergebnis!“ spiegelte der Betriebsrats-Chef die Stimmung aus der Mannschaft wider.

„Wir können auch anders!“ zeigte sich der Osnabrücker IG Metall-Chef kämpferisch vor den Stahlarbeitern. Mahnende Worte fand er in Richtung Arbeitgeberverband: „In der Metallbranche haben wir gezeigt, dass wir Metallerinnen und Metaller nicht nur Bellen sondern auch Beißen können. Und im Stahl sind wir noch besser aufgestellt. Lassen sie es nicht darauf ankommen. Legen Sie sich nicht mit den Beschäftigten der Stahlbranche an!“

Der kräftige Applaus zeigte, dass er mit diesen Worten den Unmut der Beschäftigten sehr genau getroffen hatte.

Die IG Metall fordert für die 72.000 Beschäftigten der nordwestdeutschen Eisen- und Stahlindustrie eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 6 Prozent sowie eine überproportionale Erhöhung der Ausbildungsvergütung. Eine Urlaubsvergütung von 1.800 Euro soll eine Wahloption für zusätzliche freie Zeit erhalten. Außerdem sollen die Tarifverträge zur Altersteilzeit, Beschäftigungssicherung und Werkverträgen verlängert werden.