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Brexit – ein Spiel mit dem Feuer!

Branchentreffen Landtechnik diskutiert mit Rainer Spiering

21.11.2018 | 12.11.18 – Osnabrück. Das 4. Branchentreffen der Betriebsräte in der Landtechnik im Bereich der Geschäftsstelle Osnabrück fand unter den Themen Brexit und Big Data statt. Als Gastreferent war Rainer Spiering (MdB) zu Gast.

Der Sprecher der Arbeitsgruppe Ernährung und Landwirtschaft für die SPD Bundestagsfraktion berichtete über die Auswirkungen und möglichen Folgen des bevorstehenden Brexits für die Betriebe der Landtechnik. Ob und wie der Brexit kommt ist schwer vorherzusagen. Fest steht: Wenn der Brexit kommt, dann entstehen für Erzeugnisse der Landtechnik Zölle in Höhe von 12-15%. Der Handel wäre damit erstmal tot und ein wichtiger Absatzmarkt weggebrochen. Ein weiterer Einschnitt in die Nachfrage nach landtechnischen Erzeugnissen sind die schrumpfenden Fördertöpfe der EU. Mit Großbritannien verschwindet einer der größten Nettoeinzahler für den EU-Haushalt. Die ohnehin zu kritisierende Förderpraxis zu Gunsten der größten Landbesitzer wird mit sinkender Verteilmasse nochmal verschärft. Für die Industrie ist auch dadurch eine sinkende Nachfrage zu erwarten. Weitere Folgen sind die Schicksale der Arbeitnehmer/innen, z.B. Briten die in der EU arbeiten und umgekehrt. Gleiches gilt für die Sozialstandards, die mit der endenden Freizügigkeit völlig ungeklärt sind. Wie es überhaupt zu einem Brexit kommen konnte wurde unter anderem mit einem Versagen der Eliten erklärt. Wenn sich breite gesellschaftliche Schichten für rechtspopulistische Parolen entscheiden, ist dies auch ein klares Bildungsdefizit. Eine Gefahr, die in Deutschland durch das Erstarken der AfD auch besteht.  

Das zweite große Zukunftsthema der Branche ist BIG DATA. Daten sind das neue Gold in der Landwirtschaft. Die neue Generation der Landmaschinen sind in der Lage, ein Vielfaches an Informationen über Lage, Bodenbeschaffenheit und Ausbringungsmenge zu erfassen. Die Gefahr dabei besteht, dass diese Datenmengen sich zu einem Monopol/Oligopol ansammeln. Als Beispiel dafür gilt die USA, wo sich Monsanto und John Deere quasi die Daten der Flächen aufgeteilt haben. Die Gefahr dabei ist, wer über das Datenvolumen verfügt, hat auch die Macht, über die Erzeugerfahrzeuge zu bestimmen. Das Motherboard des Anbieters bestimmt, welches Fahrzeug und welcher Anhänger benutzt werden darf. Damit klein- und mittelständische Unternehmen auch zukünftig die Möglichkeiten haben auf dem Markt zu bleiben, soll es eine Plattform für alle geben. Da anders als in den USA, die Informationen in Deutschland bei dem Deutschen Wetterdienst, dem Katasteramt, den Bauern und einigen Herstellern liegen, gilt es ein Monopol der BIG DATA zu verhindern. Eine staatlich organisierte, frei verfügbare Plattform wäre dafür die Lösung. Denn souverän ist, wer auf seine Daten Zugriff hat. Und souverän soll mit diesem Vorschlag das Volk bleiben.

Das Branchentreffen lebt durch den Austausch der Akteure, so wurde das Treffen mit Betriebsberichten unserer Betriebsräte und Informationen der IG Metall Osnabrück abgerundet.