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Großes Interesse an freien Tagen

16.11.2018 | Knapp 1.300 Beschäftigte in der Metall- und Elektroindustrie im Bereich der IG Metall Osnabrück wollen mehr freie Zeit statt Geld. Arbeitgeber sind verpflichtet, betriebliche Lösungen zu finden. Soldanski: „Wer ein attraktiver Arbeitgeber für Fachkräfte sein will, der muss Arbeitszeiten bieten, die zum Leben passen - so, wie wir es im Tarifvertag vereinbart haben.“

Mehr Geld oder mehr Zeit? Beschäftigte in der Metall- und Elektroindustrie, die Kinder betreuen, Angehörige pflegen oder Schicht arbeiten, haben die Wahlmöglichkeit, im nächsten Jahr acht zusätzliche freie Tage statt mehr Geld in Anspruch nehmen. Knapp 1.300 Beschäftigte im Bereich der IG Metall Osnabrück wollen lieber die acht Tage. Das zeigen erste Ergebnisse einer aktuellen Befragung der IG Metall unter Betriebsräten in bundesweit 1.400 Unternehmen der Branche. Diese Wahlmöglichkeit eröffnet ihnen der Tarifabschluss vom Februar 2018.

„Wir freuen uns, dass die neue tarifliche Regelung von den Beschäftigten so gut angenommen wird“, sagte Stephan Soldanski, 1.Bevollmächtigter der IG Metall Osnabrück. „Ganz offensichtlich entsprechen die neuen Möglichkeiten zur Selbstbestimmung bei der Arbeitszeit den konkreten Bedürfnissen der Beschäftigten. Wir haben mit diesem Tarifvertrag den Nerv der Zeit getroffen.“

Aus der Umfrage sind bisher folgende örtliche Trends erkennbar: 322 Antragssteller wollen die neue Regelung nutzen, um mehr Zeit für ihre Kinder zu haben. Auch 71 Beschäftigte, die Angehörige pflegen, suchen Entlastung mithilfe der acht zusätzlichen freien Tage.

Die meisten Anträge auf Umwandlung von Geld in Zeit wurden von Schichtarbeitern gestellt - 894 allein im Bereich der IG Metall Osnabrück. „Das hohe Interesse der Schichtarbeiter an zusätzlichen freien Tagen wundert uns nicht. Gerade in den Bereichen mit starren Schichtsystemen sind die Belastungen durch Mehrarbeit und Sonderschichten in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Die Kolleginnen und Kollegen brauchen dringend mehr zeitliche Freiräume – auch zum Erhalt ihrer Gesundheit“, betonte Soldanski.

Laut Tarifvertrag sind Arbeitgeber verpflichtet, bis Ende des Jahres gemeinsam mit den Betriebsräten Lösungen für eine praktikable Umsetzung zu finden. Der Tarifvertrag bietet zahlreiche Möglichkeiten, um die ausfallende Arbeitszeit auszugleichen, etwa die Nutzung von Arbeitszeitkonten oder die Qualifizierung und Förderung von Beschäftigten. Dies setze jedoch eine vorausschauende Personalplanung voraus, so der Osnabrücker IG Metall-Chef. „Wer ein attraktiver Arbeitgeber für Fachkräfte sein will, der muss Arbeitszeiten bieten, die zum Leben passen - so, wie wir es im Tarifvertrag vereinbart haben. Flexibilität darf keine Einbahnstraße sein. Wer heute Anträge der Beschäftigten auf mehr freie Zeit ablehnt, darf nicht damit rechnen, dass die Kolleginnen und Kollegen morgen zur Sonderschicht erscheinen.“
Neben der Wahloption auf acht freie Tage wurde in den Tarifverträgen zudem für alle Beschäftigten der Anspruch festgeschrieben, ihre wöchentliche Arbeitszeit befristet auf bis zu 28 Stunden reduzieren zu können. Von dieser „kurzen Vollzeit“ wollen nach den bisherigen Umfrageergebnissen im Bereich der IG Metall Osnabrück im nächsten Jahr rund 42 Beschäftigte Gebrauch machen.

„Für diejenigen, die berufliche und familiäre Verpflichtungen unter einen Hut bringen müssen, haben wir mit den neuen tariflichen Regelungen ein attraktives Angebot geschaffen“, erklärte Soldanski. Auch die verkürzte Vollzeit ist für viele Beschäftigte ein geeigneter Weg zu einer besseren Vereinbarkeit von Arbeit und Leben – trotz des fehlenden Entgeltausgleichs. Wichtig ist, dass sie dabei die Sicherheit haben, später beruflich wieder voll einsteigen zu können und nicht in der Teilzeitfalle festsitzen würden.“
Soldanski wies darauf hin, dass es zahlreiche Möglichkeiten für die Unternehmen gebe, die ausfallende Arbeitszeit auszugleichen - zum Beispiel durch die Nutzung von Arbeitszeitkonten, Qualifizierung und Förderung der Beschäftigten. Dies setze eine vorausschauende Personalpolitik voraus.

Hinweis:
Die regionalen Tarifverträge der Metall- und Elektroindustrie vom Februar 2018 schreiben fest, dass Beschäftigte die Kinder erziehen, Angehörige pflegen und langjährig in Schicht arbeiten, die Möglichkeit haben, einen Teil des neuen tariflichen Zusatzgeldes (T-Zug) in Höhe von 27,5 Prozent eines Monatsentgelts ab 1. Januar 2019 in acht freie Tage umzuwandeln. Die Anträge für die zusätzlichen freien Tage für das Jahr 2019 mussten bis 31. Oktober 2018 beim Arbeitgeber eingereicht werden.
Der Tarifvertrag sichert zudem allen Beschäftigten einen Anspruch auf Reduzierung der Arbeitszeit auf bis zu 28 Stunden für bis zu 24 Monate. Danach haben sie das Recht, zu ihrer ursprünglichen Arbeitszeit zurückzukehren. Die verkürzte Vollzeit können Beschäftigte zu jedem Quartalsbeginn beantragen, mit einem halben Jahr Vorlauf.