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Hauptsponsor von SF Lotte begeht Tarifflucht

IG Metall: Grobes Foul und rote Karte für das Verhalten der FRIMO GmbH

03.07.2018 | Osnabrück / Lotte - Die FRIMO GmbH mit Sitz in Lotte begeht Tarifflucht. Betriebsintern wurde bereits im Mai angekündigt den tarifgebundenen Arbeitgeberverband zu Ende Juni zu verlassen.

Für die IG Metall Osnabrück ist das Motiv für den Austritt bisher vollkommen unklar. Der 1.Bevollmächtigte der IG Metall Stephan Soldanski: „Wir wissen nicht, ob dies eine Kurzschlusshandlung der Geschäftsführung war, ein erneuter Verkauf ansteht bei dem man vorher die Tarifbindung loswerden will oder die Verantwortlichen einfach nur glauben, dass die Ferienzeit hierzu ein guter Zeitpunkt ist.“ Die IG Metall will sich auch nicht an Spekulationen beteiligen. „Fest steht, für uns ist dies eine klare Kampfansage. Wir werden die Tarifflucht nicht einfach so zulassen!“ äußert sich Soldanski weiter.

Der mittelständische Maschinenbauer und Automobilzulieferer beschäftigt am Standort Lotte knapp 230 Mitarbeiter. Bereits im Mai wurden Betriebsrat und Beschäftigte über die Veränderung informiert. In betriebsinternen Veranstaltungen hat die IG Metall immer wieder die Frage nach dem warum aufgeworfen und Unterstützung bei möglichen Problemen angeboten. Da der Gewerkschaft von teilnehmenden Firmenvertretern allerdings keine Gründe für den Verbandaustritt mitgeteilt wurden, kann auch keine konkrete Hilfestellung geleistet werden. Die Geschäftsführung blieb den Gesprächen fern. „Wir haben dem Arbeitgeber lange genug die Chance gegeben diesen ‘Betriebsunfall‘ intern wieder rückgängig zu machen.“

„Das ganze Verhalten der FRIMO-Verantwortlichen verstehen wir nicht wirklich. Gerade der FRIMO ist bekannt, dass wir gesprächsbereit sind, wenn ein Unternehmen z.B. in eine wirtschaftliche Schieflage gerät“ so Soldanski. In 2006 und 2008 wurden zwischen Geschäftsführung und der IG Metall Sanierungstarifverträge mit Zugeständnissen der Beschäftigten verhandelt. Aus diesen Verträgen heraus haben die Mitarbeiter aktuell immer noch erhebliche Ansprüche.

Allein aus diesem Grund ist es für Soldanski unmoralisch, dass FRIMO sein finanzielles Engagement bei den SF Lotte in der jüngsten Vergangenheit erheblich ausgeweitet hat. „Volle Lotte dem Fußball und die eigene Mannschaft hängenlassen. Das zeigt nicht gerade von sozialer Kompetenz!“ findet der IG Metall-Chef hierzu deutliche Worte. Ihm ist es dabei vollkommen egal, aus welcher Tasche am Ende das Geld dafür stammt. Letztendlich haben die FRIMO-Beschäftigten das Geld hierzu zusammen erwirtschaftet. „Und wer Schulden bei seinen Beschäftigten hat, sollte diese auch vorrangig an diese zurückzahlen.“

Nils Giese, zuständiger Gewerkschaftssekretär: „Der Austritt aus dem Arbeitgeberverband macht zu diesem Zeitpunkt wirtschaftlich überhaupt keinen Sinn.“ Das hervorragende Tarifergebnis der diesjährigen Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie muss an alle IG Metall-Mitglieder weiter gezahlt werden. Das gilt auch für das Zusatzgeld und die möglichen zusätzlichen freien Tage im kommenden Jahr.

Kurzfristig werden mit so einem Handeln also keine Kosten gespart. Tarifrechtlich müssen auch nach dem Verlassen des Verbandes die bereits abgeschlossenen Tarifverträge weitergeführt werden. „Diese Nachbindung gilt dauerhaft. Die aktuellen Tarifverträge sind in der jetzigen Form quasi eingefroren“ so die rechtliche Bewertung von Giese.

Offensichtlich will der Arbeitgeber aber sofort Profit aus seinem Handeln schlagen. Nicht anders ist sein Verhalten zu verstehen, als dass er mit dem Betriebsrat über ein neues Entgeltsystem - ab dem 01. Juli - verhandeln will.
Der Gesetzgeber schreibt hier allerdings eindeutig vor, dass dieses nur zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden stattfinden darf.

Für den Betriebsratsvorsitzenden Dietmar Schoo ist bereits seit dem Verkauf an die DEUTSCHE BETEILIGUNGS AG eine neue Zeit angebrochen: „Unsere Arbeitshaltung war immer, besser zu sein anstatt billiger. Der Arbeitgeber versucht es nun umgekehrt. Doch ein billiger wird es mit uns nicht geben!“

Am Montag, dem ersten Arbeitstag nach dem Verbandsaustritt, haben die Beschäftigten ein deutliches Zeichen für das Fehlverhalten ihres Arbeitgebers gesetzt. Trotz größerer urlaubsbedingter Abwesenheit vieler Mitarbeiter zeigten sie vor dem Werkstor symbolisch eine rote Karte für den Verbandsaustritt. „Wir sind gesprächsbereit! Der Ball liegt nun beim Unternehmen und sollte schnellstmöglich wieder zurück aufs Spielfeld“ fand Gewerkschafter Giese passende Worte in Richtung Geschäftsführung.