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Ergebnis örtlicher Transformationsatlas: Arbeitgeber haben oftmals keine Strategie zur Bewältigung der Transformation

IG Metall Osnabrück: Aufruf zur Kundgebung #FairWandel am 29. Juni in Berlin

18.06.2019 | Osnabrück - Die Uhr tickt: Deutschland steht vor einem tiefgreifenden Umbruch: Klimawandel, Globalisierung und Digitalisierung lösen gewaltige Veränderungen aus. In den Betrieben kommt dieser Druck immer stärker an.
  • Aus technischem Fortschritt muss sozialer und ökologischer Fortschritt werden
  • Beschäftigte brauchen Sicherheit und Perspektiven in der Transformation
  • Arbeitgeber und Politik müssen jetzt entschlossen handeln

„Wir wollen, dass die Veränderungen fair ablaufen. Aus technologischem Fortschritt muss sozialer und ökologischer Fortschritt werden. Es geht um sichere und zukunftsfähige Beschäftigung. Und es geht um die Zukunft der nächsten Generationen“, so der Osnabrücker IG Metall Chef Stephan Soldanski. Deshalb ruft die IG Metall bundesweit zu einer Kundgebung am 29. Juni am Brandenburger Tor in Berlin auf. Unter dem Motto #FairWandel will die Gewerkschaft ein deutliches Zeichen setzen für einen sozialen, ökologischen und demokratischen Wandel.

Es geht um unsere Arbeit. Unsere Gesellschaft. Unser Leben. Und natürlich um Gerechtigkeit. Schlicht gesagt: Es geht um Alles. Wieder einmal.

„Wir haben keine Zeit mehr, Grundsatzdebatten zu führen, Arbeitgeber und Politik müssen jetzt dringend handeln“, bringt es der Osnabrücker Bevollmächtigte Soldanski auf den Punkt. „Die IG Metall will die Transformation der Industrie gestalten, die Regeln mitbestimmen. Wir müssen jetzt in der Öffentlichkeit deutlich machen, dass es um ganz viele Beschäftigte geht. Es geht um unsere Zukunft und wir wollen, dass der Wandel gelingt. Ökologie und Soziales dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden!“

Der Transformationsatlas der IG Metall zum Stand der Digitalisierung und des ökologischen Umbaus zeigt, dass der Handlungsbedarf groß ist. Viele Unternehmen im Organisationsbereich der IG Metall sind auf den digitalen und ökologischen Wandel nicht vorbereitet. „Knapp die Hälfte der Betriebe haben keine oder keine ausreichende Strategie zur Bewältigung der Transformation. Betriebe und Beschäftigte müssen sich auf neue Qualifikationen und zum Teil auch neue Geschäftsmodelle einstellen. Die dazu notwendige Fähigkeit zur Veränderung ist allerdings erst in Ansätzen bemerkbar. Wenn sich die Unternehmen und die Politik weiterhin so defensiv verhalten, spielen sie Roulette mit der Zukunft der Beschäftigten“, so Soldanski.

Der Transformationsatlas ist eine Bestandsaufnahme zur Digitalisierung und zum ökologischen Wandel auf der Basis von Daten aus knapp 2.000 Betrieben mit rund 1,7 Millionen Beschäftigten. Aus den Angaben der Betriebsräte und Vertrauensleute, die den umfangreichen Fragenkatalog bearbeitet haben, ergibt sich ein Bild vom Stand der Digitalisierung, der Strategie und Unternehmensentwicklung, der Beschäftigungsstruktur, der Personalentwicklung und Qualifizierung sowie über die Mitbestimmung und die Einbeziehung der Beschäftigten. Der Atlas ist die Datengrundlage für die Strategie der IG Metall zur Gestaltung der Transformation.

In der Region Osnabrück haben sich innerhalb kürzester Zeit 24 Betriebe an dem Transformationsatlas mit über 13.290 Beschäftigten beteiligt.

Von der Digitalisierung wird vor allem die Arbeit in der Fertigung und Montage, in der Verwaltung und Logistik sowie in der Technischen Kundenbetreuung massiv betroffen sein. Die dortigen Arbeitsplätze enthalten große Anteile an Tätigkeiten, deren Profil sich verändern wird oder die teilweise entfallen könnten. Knapp 60 Prozent der Beschäftigten in den beteiligten Betrieben üben Tätigkeiten mit einem hohen Potential für eine Substituierung aus.

Besonders die Automobil- und die Zulieferindustrie wird durch den Technologiewandel stark verändert:  In mehr als der Hälfte der Betriebe in dieser Branche wird damit gerechnet, dass die Zahl der Arbeitsplätze sinken wird. „Vor allem für Zulieferer kann die Transformation existenzgefährdend werden, wenn sie nur über wenig Kapital und keine tragfähigen neuen Geschäftsmodelle verfügen“, so die Einschätzung des 1.Bevollmächtigten Soldanski.

Angesichts dieser Ergebnisse fordert der Gewerkschafter von den Arbeitgebern, Vorsorge zu treffen und die Betriebe auf die Transformation einzustellen. „Die Unternehmen müssen die anstehenden Veränderungen offensiv angehen. Dazu gehören Investitionen in neue Produkte, Prozesse und in neue Geschäftsmodelle. Nötig ist auch eine vorausschauende Personalplanung und betriebliche Qualifizierung, um sicherzustellen, dass die Betriebe den Wandel bewältigen können“, sagte Soldanski. Berufliche Weiterbildung darf sich nicht mehr auf Spezialisten und Führungskräfte beschränken, alle Beschäftigtengruppen müssen die Chance bekommen, sich zu qualifizieren.

Soldanski: „Dieser Wandel kann nur zusammen mit den Beschäftigten gelingen und am Ende der Transformation muss als Ergebnis für alle gute Arbeit zu tarifvertraglichen Bedingungen stehen!“

Auch die Politik ist bei der digitalen und ökologischen Transformation in der Verantwortung. Viele Betriebe fahren auch deshalb auf Sicht, weil über die Rahmenbedingungen der Energie- und Mobilitätswende weiter Unklarheit besteht. Dazu gehören u.a. auch notwendige Milliardeninvestitionen in die Infrastruktur sowie in saubere und bezahlbare Energieversorgung. „Hier müssen endlich die zukunftsweisenden Entscheidungen getroffen werden!“ fordert Soldanski.

Um die anstehenden Veränderungen zu stemmen, fordert die IG Metall ein Durchstarten in der Verkehrs- und Energiewende, die Sicherung von Beschäftigung am Industriestandort Deutschland und Sicherheit auf dem Arbeitsmarkt. Dazu sind massive Investitionen in neue Produkte und Geschäftsmodelle, Infrastruktur und Qualifizierung nötig, mehr Mitbestimmung und Beteiligung sowie eine verlässliche Absicherung in jedem Lebensalter und in jeder Lebensphase.

„Stillstand hat noch nie etwas bewegt und ist definitiv auch kein Fortschritt!“ so Soldanski. „Jetzt müssen die Weichen gestellt werden. Nun müssen Arbeitgeber und insbesondere die Politiker mit verlässlichen Rahmenbedingungen endlich liefern. Dafür wollen wir in Berlin demonstrieren!“

Auf der Kundgebung sprechen auch Repräsentanten von Umwelt- und Sozialverbänden. Die Kundgebung am 29. Juni in Berlin beginnt um 13 Uhr, das Vorprogramm ab 11 Uhr. Vor dem Brandenburger Tor sprechen Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall, Olaf Tschimpke, Präsident des Naturschutzbundes Deutschland NABU, Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie, und Jasmin Gebhardt, Jugend- und Auszubildendenvertreterin der Schaeffler Technologies. Das Kulturprogramm werden Clueso, Silly, Culcha Candela und das Berlin Boom Orchestra bestreiten.

Mehr Infos unter www.igmetall.de/fairwandel bzw. zur örtlichen An- und Abreise bei der IG Metall Osnabrück unter 0541/33838-0.