Rote Karte dem Kahlschlag!

IG Metall zeigt Reformpaket der Bundesregierung die Rote Karte

10.07.2026 | Knapp 300 Metallerinnen und Metaller protestieren vor dem Osnabrücker Gewerkschaftshaus gegen die geplanten Einschnitte bei Rente, Arbeit und sozialer Sicherheit

Osnabrück, 09. Juli 2026 – Knapp 300 Metallerinnen und Metaller aus den Osnabrücker Betrieben haben sich heute vor dem Gewerkschaftshaus in Osnabrück zu einer Protestkundgebung der IG Metall versammelt. Anlass war die Vorstellung des Reformpakets der Bundesregierung im Deutschen Bundestag durch Bundeskanzler Friedrich Merz am selben Tag. Die geplanten Änderungen bei Rente, Arbeitszeit und befristeten Beschäftigungsverhältnissen stoßen bei der Gewerkschaft auf scharfe Kritik.

„Wir erleben den härtesten Angriff auf den Sozialstaat und auf gewerkschaftlich erkämpfte Errungenschaften seit vielen Jahren“, erklärte Stephan Soldanski, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Osnabrück. „Offensichtlich lebt die Bundesregierung in einer Parallelwelt. Anders lassen sich manche der vorgeschlagenen Reformen bei Rente, Gesundheit und Arbeit kaum erklären.“

Während der Kundgebung kritisierten zahlreiche Rednerinnen und Redner aus den Betrieben die aus ihrer Sicht einseitige Belastung der Beschäftigten. Im Mittelpunkt standen die geplante Abschaffung der sogenannten Rente mit 63, Überlegungen zu einem späteren Renteneintritt sowie längere Arbeitszeiten.

Yasin Abay, Betriebsratsvorsitzender der Georgsmarienhütte GmbH, erteilte diesen Plänen eine klare Absage: „Sie wollen die Wochenarbeitszeit erhöhen, und gleichzeitig sollen wir noch später in Rente gehen. Meine Kolleginnen und Kollegen sind schon heute hochflexibel und vielfach an ihrer Belastungsgrenze. Sollen wir künftig bis zum Umfallen arbeiten?“  Abay kritisierte zudem die mangelnde Nähe der Vorschläge zur Realität in den Betrieben: „Diese Pläne gehen an der harten Arbeitswirklichkeit vorbei. Sie schaffen keinen Aufbruch, sondern sorgen für noch mehr Frust und Verunsicherung.“

Kritik gab es auch an den vorgesehenen Veränderungen bei der Altersteilzeit. Für viele Beschäftigte sei insbesondere das Blockmodell ein wichtiger und bewährter Weg, den Übergang in den Ruhestand planbar und sozial verträglich zu gestalten. „Die Abschaffung des Blockmodells der Altersteilzeit ist eine Ohrfeige für viele Kolleginnen und Kollegen“, erklärte Alexander Schmezer, Betriebsratsvorsitzender der Cunova GmbH. „Wer jahrzehntelang – oft im Schichtdienst, nachts, an Wochenenden und Feiertagen – dafür gesorgt hat, dass die Wirtschaft läuft, verdient einen verlässlichen und würdevollen Übergang in den Ruhestand.“

Auch die geplante Ausweitung sachgrundloser Befristungen auf bis zu 48 Monate wurde während der Kundgebung deutlich kritisiert. Besonders junge Beschäftigte würden dadurch in ihrer Lebens- und Zukunftsplanung eingeschränkt. Luca Lagemann, Jugendvertreter bei der Volkswagen Osnabrück GmbH, schilderte die Auswirkungen aus Sicht der jungen Generation: „Wir sind die Generation, die flexibel sein soll. Die mobil sein soll. Die Überstunden machen soll. Die ständig Leistung bringen soll. Aber wenn es um Sicherheit, Perspektiven und einen festen Arbeitsplatz geht, heißt es plötzlich: Vier Jahre keine verlässliche Zukunft.“  Weiter sagte er: „Vier Jahre ohne Planungssicherheit. Vier Jahre Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche. Vier Jahre in ständiger Abhängigkeit von der nächsten Unterschrift. Kurz gesagt: Du wirst gebraucht, aber für eine echte Perspektive reicht es nicht.“

Für die IG Metall ist klar: Eine Gesellschaft, die keine verlässlichen Perspektiven und Sicherheiten bietet, gefährdet ihre eigene Zukunft. Der Generationenvertrag muss für jung und alt echte Perspektiven bieten.

 

Deutliche Worte fand Stephan Soldanski auf der Kundgebung: „Wer die Regelaltersgrenze immer weiter anheben will, ignoriert die Lebensrealität von Millionen Beschäftigten. Viele Menschen schaffen es heute schon aus gesundheitlichen Gründen kaum bis zur gesetzlichen Altersgrenze. Ihnen noch weitere Arbeitsjahre aufzubürden, ist weder gerecht noch verantwortungsvoll. Das ist nichts anderes als eine versteckte Rentenkürzung. Deswegen hier und heute klipp und klar: nach 45 Beitragsjahren muss Schluss sein und das ohne Abschläge. Dann muss es in eine vernünftige Rente gehen! Das ist keine Frage der Mathematik. Das ist eine Frage der Gerechtigkeit! “

Zum Abschluss der Kundgebung zeigten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Plänen der Bundesregierung symbolisch die Rote Karte. Für die Gewerkschaft ist die Auseinandersetzung damit jedoch nicht beendet.

„Das war erst der Anfang“, betonte Stephan Soldanski zum Abschluss der Veranstaltung. „Während wir den Laden am Laufen halten, kommen immer wieder die alten Rezepte und Märchen aus der Mottenkiste: mehr Druck, weniger Schutz und weniger Solidarität. Das ist sozialer Sprengstoff!  Wir sagen eindeutig ja zu echten und gerechten Reformen. Die DGB-Rentenkommission hat eigene Vorschläge auf den Tisch gelegt und zeigt, dass es anders geht. Merz und Klingbeil müssen ihre Vorschläge nun grundlegend überarbeitet, ansonsten werden wir unseren Protest fortsetzen. Reform ist, wenn es besser wird für die Menschen. Da lassen wir auch nicht locker!“

 

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