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Tarifrunde Metall- und Elektroindustrie

Dritte Tarifverhandlung der Metall- und Elektroindustrie begleitet von Demonstration und lautstarker Kundgebung

22.01.2018 | IG Metall: 2.000 treten für Forderung nach 6 % mehr Entgelt und ‘kurze Vollzeit‘ ein - Arbeitgeber beharren auf mögliche Arbeitszeitausweitung. Stephan Soldanski: “Weitere Eskalationen des Konfliktes mit 24h-Warnstreiks sind nicht mehr auszuschließen!“

Osnabrück - Die heutige dritte Verhandlung für die rund 18.500 Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie im Tarifgebiet Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim ist ohne Ergebnis vertagt worden. Der Termin wurde begleitet von einer Kundgebung mit rund 2.000 Teilnehmern aus den Betrieben Volkswagen, KME, Valmet, Herzog, Diosna, Paal, Rawie und Schomäcker. In zwei Demonstrationszügen zogen die Beschäftigten vor das Verhandlungslokal und machten lautstark auf ihre Forderungen aufmerksam.

Die IG Metall fordert sechs Prozent mehr Geld und den Anspruch für alle Beschäftigten, ihre Arbeitszeit vorübergehend für bis zu 24 Monate auf bis zu 28 Stunden reduzieren zu können, verbunden mit einem Rückkehrrecht zur 35-Stunden-Woche, einem Entgeltzuschuss für Beschäftigte mit zu pflegenden Angehörigen und Kindern unter 14 Jahren sowie für Beschäftigte in Schichtarbeit und anderen belasteten Arbeitszeitmodellen. In der zweiten Verhandlungsrunde Anfang Dezember vergangenen Jahres boten die Arbeitgeber eine Entgelterhöhung um lediglich zwei Prozent, geknüpft an die Bedingung, dass die Arbeitszeit umfassend ausgeweitet wird. Diese Gegenforderung wurde arbeitgeberseitig heute nochmals wiederholt.

Martina Manthey, Verhandlungsführerin der Metall, kommentiert die heutige Verhandlung: „Die Arbeitgeber haben heute zwar angedeutet, dass sie an einer Lösung interessiert sind. Ein deutliches Ende ihrer Blockadehaltung war allerdings nicht zu erkennen: beim Entgelt gab es keine Nachbesserung, über Entgeltzuschüsse wollten sie gar nicht erst sprechen. Weiterhin beharren die Arbeitgeber auf mögliche Arbeitszeitausweitung.“

„Wir sind überzeugt davon, dass Arbeitszeiten, die zum Leben passen, die Attraktivität der Branche im Wettbewerb um Fachkräfte erhöhen. Sollte dennoch ein Anspruch auf kurze Vollzeit zu einer Reduzierung des Arbeitsvolumens führen, sind wir selbstverständlich bereit, darüber zu reden, wer die Arbeit macht. Zuvor müssen die Arbeitgeber aber bereit sein, über diesen Anspruch ernsthaft zu verhandeln,“ so Manthey weiter.

Der erste Bevollmächtigte der IG Metall Osnabrück, Stephan Soldanski resümierte die Verhandlungen wie folgt: “Die Arbeitgeber haben weder ihr dürftiges Angebot beim Entgelt verbessert, noch zeigen sie bei der Forderung nach einem Entgeltzuschuss bei Arbeitszeitverkürzung wegen Kindererziehung oder Pflege oder belastenden Arbeitszeiten überhaupt Gesprächsbereitschaft. So kommen wir nicht wirklich weiter!“

Am 25. Januar beraten bundesweit die örtlichen Tarifkommission über das weitere Vorgehen. Am 26. Januar tritt der Vorstand der IG Metall in Frankfurt am Main zusammen, um auf Grundlage des Verhandlungsstandes eine grundsätzliche Entscheidung über das weitere Vorgehen zu treffen.

Soldanski dazu: “Die IG Metall wird nicht aus der Tarifrunde ohne Lösungen für das gesamte Forderungspaket gehen. Eine weitere Eskalation des Konfliktes mit 24h-Warnstreiks ist darum nicht mehr auszuschließen!“

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